Homestory: Zu Besuch bei Alex Schäler aka “die Artige”

Homestory: Zu Besuch bei Alex Schäler aka “die Artige”

Im Interview gibt uns die erfolgreiche Bloggerin, Mama, Ehefrau und Raumgestalterin Alex einen wunderschönen persönlichen Eindruck, was für sie Nachhaltigkeit bedeutet und wie sie dies unter anderem bei der Auswahl ihrer Möbel und Dekoartikel umsetzt. Seid gespannt :-)

Liebe Alex, vielen Dank für das Interview. Würdest du dich erst einmal kurz vorstellen?

Ich bin Alex und lebe mit meinen vier kleinen und großen Männern ganz im Nordosten Deutschlands, zwischen Rügen und Usedom. Ich habe ein kleines & feines Design Studio, in dem ich von Grafik, über Interior bis Gärten alles gestalte, was mir in die Hände fällt. Das sehe ich als großes, wenn auch arg erkämpftes, Privileg an - denn ich tue, was ich liebe. Mittlerweile haben sich außerdem das Influencen und Content-Kreieren hinzugesellt, welche einen wunderbar frischen Aspekt meiner Kreativität bedienen.

Du bist vor ein paar Jahren mit deiner Familie in ein wunderschönes Einfamilienhaus gezogen. Dabei warst du schon beim Bau auf Nachhaltigkeit bedacht. Worauf hast du dabei besonders geachtet?

Wie oft am Anfang einer Reise, hat man keine Ahnung worauf man sich einlässt und welche Wege man beschreiten wird. Genauso unbedarft sind wir in das Thema Hausbau gestolpert. Als eher neugieriger Mensch mit einer Vorliebe für Details und Hintergründe habe ich am Anfang unglaublich viel recherchiert, gelesen und ausgefragt. Aus all diesen Informationen ergab sich mit der Zeit ein Bild von unserem Bedarf und den Möglichkeiten, wie wir diesen in vier Wände gießen könnten. Bedingt durch die vorrangige Komponente Finanzierbarkeit ergab sich schnell das Thema Effizienz. Effizientes Bauen wiederum beinhaltet, Energiefragen, aber auch Fragen nach Notwendigkeiten, Materialien, Umsetzung und Bauzeit. Kombiniert mit den Themen Wohngesundheit und Wohnqualität entstand schnell ein ziemlich klares Bild. Somit ist unser Holzhaus also ein reiner Funktionsbau, der eben all jene Aspekte unter einen Hut zu bringen versucht. Wir leben zu fünft - und inklusive Office für mein Studio - auf knapp 170 qm. Große Fensterfronten im EG öffnen das Haus zur Natur und nutzen gleichzeitig die passive Sonnenenergie im Frühjahr / Herbst. Eine erhöhte Decke und nur wenige Wände geben dem Wohnbereich - trotz einer überschaubaren Größe - einen fast loftartigen lichten Charakter, der in der Nutzung und Möblierung flexibel bleibt. Das ermöglicht eine immerwährende Anpassung an verschiedene Lebenssituationen. Der Anbau mit meinem Büro z.B. ist so geplant, dass es jederzeit auch als Schlafzimmer oder gar 1-Zimmer-Appartement genutzt werden kann. Im Obergeschoss sind die Räume lediglich so groß, wie es der Bedarf vorgibt. Die Kinderzimmer schwanken zwischen 10,5 und 12,5 qm, das Schlafzimmer hat knapp 15 qm und das Familienbad etwa 9 qm. Um auch hier optisch mehr Raum zu suggerieren, wurden proportional große Fensterflächen und Sichtachsen eingeplant, die Holzbalkendecke offen ausgeführt und sperrige ‚Raumfresser‘, wie Kleiderschränke und Dusche in Nischen platziert und somit optisch minimiert. Außerdem wurden alle Verkehrsflächen aufs Notwendigste reduziert. Aus all der Reduktion ‚ergab‘ sich am Ende sogar eine kleine Dachterrasse, die einen idyllischen Blick in den verwilderten Pfarrgarten bereithält. Ein großer Aspekt meines Lebens ist der achtsame und respektvolle Umgang mit der Natur sowie meinen Buben ein gesundes und wohliges Zuhause zu bieten. Daher und weil unser Haus auch im Falle eines Rückbaus der Umwelt nicht unnötig zur Last fallen sollte, war klar, dass es ein Holzhaus mit entsprechendem Wohnklima und haptischer Wärme sein würde. Außerdem hält unser Haus hervorragenden Dämmeigenschaften bereit, kommt völlig ohne Styropor oder andere Bauschaumvarianten, aber auch ohne Malervlies aus. Dass wir Solarthermie auf dem Dach, erneuerbare Energien sowie Ökostrom nutzen, dürfte selbstverständlich sein.

Für uns bei Frently steht Nachhaltigkeit an erster Stelle, wir wollen sinnlosen Konsum auch bei Möbeln vermeiden. Wie bist du bei der Wahl eurer Einrichtung vorgegangen? Welche Aspekte sind dir bei der Auswahl neuer Möbelstücke ganz besonders wichtig?



Für mich ist die Einrichtung, wie das Leben, ein immerwährender Prozess. Begonnen haben wir, wie vermutlich fast alle, mit notwendigen und leistbaren Möbeln. Erst im Laufe der letzten Jahre konnten wir es uns leisten, nicht nur praktische, sondern auch nachhal(l)tige Möbel anzuschaffen, die uns unbegrenzt begleiten dürfen. Der erste Schritt bei einer Neuanschaffung ist für mich der wichtigste. Den Bedarf prüfen. Brauchen wir das Möbelstück? Brauchen wir es so oder anders? Oft lasse ich mir monatelang Zeit, um genau das und die Hintergründe eines Produktes zu prüfen. Natürlich gibt es eine Wunschliste von Dingen, die ich oftmals schon eeewig darauf stehen habe. Aber auch diese Teile werden vor einer Anschaffung gründlichst geprüft. Es gibt natürlich keine Garantie, aber wenn es ein Stück durch diese Prüfung schafft, ist es sehr wahrscheinlich, dass es das Richtige ist. Gut, mit einem offenen Budget würde manche Wahl noch anders ausfallen, aber wer kennt das nicht. Nachhaltig heißt für mich: Qualität in der Verarbeitung, gutes Design, faire und wenn es irgend geht regionale Produktion, hochwertige Materialien. All diese Aspekte auf ein Produkt zusammenzuführen, ist übrigens gar nicht so leicht und ganz sicher nicht immer möglich. Auf Dinge zu warten, ist ja nicht unbedingt eine Tugend unserer Zeit, aber so wichtig. Denn damit fallen zum einen viel weniger Entscheidungen an und zum anderen definitiv viel weniger falsche. Und einen weiteren Vorteil hat es, wenn man geduldig auf ein ersehntes Stück warten kann. Man schätzt es viel mehr. Um Missverständnissen mal vorzubeugen. Ich bin ganz sicher nicht gefeit vor Spontankäufen, weil ich mich z.B. sofort verguckt habe. Allerdings befinden sich darunter eher selten Fehlinvestitionen.

Und wie lebst du das Thema Nachhaltigkeit im Bereich Dekoration?

Wenn es für mich Zeit für Neuerungen ist - die zeigen sich meist erst im dekorativen Bereich - probiere ich zunächst einmal herum. Dazu nutze ich zunächst all das, was sich bei uns zu Hause finden lässt und dann unglaublich gerne unseren Umsonstladen in der Stadt. Ich sammle zu Hause Dinge ein, die ich nicht mehr brauche, gebe sie dort ab und bringe einfach etwas Neues mit. Man könnte es quasi als ein experimentelles Tauschgeschäft bezeichnen. Ich habe immer mal wieder etwas Neues zu Hause, ohne etwas Neues zu kaufen. Manchmal entdecke ich natürlich Deko-Teile, die ich unbedingt haben möchte, die ich einfach großartig finde. Und da die Spannweite zwischen Brauchen und Nichtbrauchen hier eher flexibel ausfällt, bleibt ein gewisser (Handlungs)Spielraum. Aber auch hier lasse ich mir meist etwas Zeit, um sicher zu sein, dass es sich zumindest nicht um eine Eintagsfliege handelt.

Bei der Wahl deiner Deko Artikel: Must-haves und no-Gos:

Must-Haves:

  • Vasen, ja sorry, unbedingt auch ein paar mehr 
  • Kerzen und Kerzenhalter
  • Kissenbezüge / Dekokissen (gerne mit zwei unterschiedlichen Seiten), (Woll)Decken, fröhliche Geschirrhandtücher
  • Spiegel, Bilderrahmen
  • Unbedingt persönliche Dinge mit emotionalem Wert!

No-Gos:

  • Billige, unnütze und kitschige Deko Teile
  • künstliche Pflanzen,
  • sogenannte Antiquitäten, die weder emotionalen noch einen tatsächlichen Wert besitzen
  • Deko, die nur da ist, weil da sonst nix ist.

Du arbeitest auch als Raumgestalterin, setzt du auch im Job auf Nachhaltigkeit?

Sofern das irgend geht ja. Ich berate diesbezüglich immer offen und auch schon mal mit Nachdruck. Und all meine Kaufempfehlungen orientieren sich stets an meinen Nachhaltigkeitskriterien. Aber Entscheidungen trifft stets der Kunde. 

Worauf kommt es den meisten Kunden deiner Meinung nach an?

Darauf, dass sie sich in ihrem Umfeld wohlfühlen. Am liebsten per sofort. Manchmal kommen repräsentative Aufgaben hinzu, meist aber eher praktische. Außerdem muss die Umsetzung, welcher Art auch immer, natürlich ins verfügbare Budget passen.

Gibt es nachhaltige Designer für Möbel/Deko die du ganz besonders inspirierend findest?

Nein. Der Markt ist diesbezüglich unglaublich beweglich. Ständig gibt es Innovationen, neue Herstellungsprozesse, Materialien oder Designs. Sich da festzulegen, ist für mich völlig unmöglich. Aber mich begeistert total, dass das Thema mittlerweile so groß und sichtbar geworden ist. Wenn man sich so lange den Mund fusselig redet und doch immer wieder auf fragende Augenbrauen trifft, sind diese Veränderungen eine wahre Wohltat…

Wir sind begeistert! Vielen Dank für diese tollen Eindrücke und deine Inspiration liebe Alex!




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